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#1 Mentoring w/ David Mulder van der Vegt (XML)

 

LECTURE

 

„Depending on whether members of parliament are positioned ‘at arm’s length’ from each other (United Kingdom), five meters apart (Denmark), or fifteen meters apart (Germany), the debate in each hall evolves in a wholly different atmosphere. Clearly, the architecture of a parliament’s interior plays a significant role in the ways in which the nation’s political culture is manifested.“

(XML)

 

Mit seinem Vortrag im Kubus Haus der Architektur Köln eröffnete David Mulder van der Vegt unsere Mentoring-Serie Politics & Geometry, gefördert vom Landesbüro Freie Darstellende Künste e.V. sowie der Kunststiftung NRW. Die Mentoring-Serie beginnt jeweils mit einem öffentlichen Abendvortrag und wird am nächsten Tag in kleiner Runde im Workshop-Format fortgesetzt. In diesem Blog werden einige der besprochenen  Themen und Eindrücke festgehalten, um unseren Research zu dokumentieren.

 

Einige vorgestellte Projekte von XML:

(1) Aufenthaltsraum EU-Parlament

(2) Wasser-Spender (water bar)

(3) De Appel Arts Center: Markierungen am Boden

 

GESCHICHTE

Theater von Syrakus: Politik findet im Theater statt → erst Darstellung moralischer Dilemma z.B. in Tragödien, am selben Ort finden aber auch Abstimmungen statt

Semi-Circle wurde im 19. Jhdt. im Neo-Klassizismus eingeführt

– ideologisch an direkter Demokratie der griechischen Polis orientiert

– architektonisch am römischen Theater orientiert

(→ röm. Theater ist nicht in offener Landschaft, sondern ein geschlossenes Gebäude)

 

GEDANKEN

  • das Parlament ist auf eine Außen bezogen: den Platz, auf dem es steht; die Straße; das Viertel; die Stadt …

  • der Ort des Parlaments innerhalb des Parlamentsgebäudes ist interessant. In der russischen Duma fast wie ein Labyrinth …

  • Schwedisches Parlament: nicht nach politischen Richtungen geordnet, sondern nach Geographie

  • Straßburger Parlament ist wie ein TV-Studio eingerichtet → Medien und Demokratie

  • Obwohl das Parlament der öffentliche Raum ist (oder der »Kern« der demokratischen Gesellschaft), ist er sehr schwer zugänglich.

  • Parlament in Bonn komplett nach demokratischen Prinzipien entworfen: es gibt z.B. keine Schrauben, da es in Demokratie nicht um Macht geht

    →die Frage, welche Kraft welches Narrativ hat, lässt sich auch auf den performativen Raum übertragen

  • Wo finden die Entscheidungen / wichtigen Debatten statt? → Kleinere Büros etc.

 

Interessant für David: Von den Teilnehmer*innen kamen viele Anmerkungen in Bezug auf Komfort, Materialität der Sitze, vorgegebene Performativität durch Raum-Anordnung

(Beispiel: Niederländisches Parlament – so gebaut, dass die sprechende Person vorne schwer zu verstehen ist)


WORKSHOP

 

Auch wenn die Verteilung statisch wirkt, gibt es viele Abstufungen in der Hierarchie.

Interessant: die Back-Up – Bänke (nicht nur das Verhältnis Sprecher*in ↔ Publikum wichtig, sondern auch die Reihe hinter dem/der Sprecher*in als performativer Support)

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(Symmetrie und Achsen wichtig bei Raum-Aufteilung)

Klassenraum: eher Konferenz-Stil; Konsumieren und Verteilen von Informationen

Klassenraum kommt qua Architektur vom Theater

Auch wichtig: Wie kommt man zu diesem Raum innerhalb des Gebäudes?

 

Autoritärer Gestus: Irritation, Vertikalität, Kontextualisierung / Framing, Abstraktion, Verlassen der Komfort-Zone

Ähnelt Kino / cinematic apparatus: Macht der Verkörperung, Blick bewegt sich mit Kameras

→ autoritäre Figuren lassen sich als „Avatare“ denken, gleichzeitig ist es auch ein „Genuss“, sich von dieser „Virtualität“ zu distanzieren

(Hat das autoritäre System auch etwas damit zu tun, über die Virtualität Anteil an der Macht zu haben? Will man einen autoritären Führer, weil man dann selbst, zumindest in der Imagination, mächtig ist?)

 

GEDANKEN / ANSTÖßE

  • Autoritäre Tools: Komfort anbieten im Austausch gegen Machtlosigkeit (in den letzten beiden Stücken war der Fokus eher auf Destabilisierung)

  • „amplifying stereotypes“

  • Gropius: Gesamt-Theater → veränderbare Architektur

  • Klassenraum als Kontrollgesellschaft

  • wie verändert eine neue Idee von Bildung das Klassenzimmer?

  • Wenn wir über das Klassenzimmer sprechen, sprechen wir nicht über unsere Gesellschaft – in Teilen sprechen wir aber schon über unsere Gesellschaft. Was genau ist unser Verhältnis zum Klassenraum, welche Funktion hat er im Narrativ?

  • David: „Its very much about deconstructing space.“

 

GRUPPEN

 

1. Gruppe: forced intimacy

Die Teilnehmer*innen wurden „Yes or No“ gefragt ohne Erklärung.

Bei Yes: Instruktion für das Spiel; Bei No: keine Instruktion

Spiel: Im Kreis laufen, bei Blickkontakt vor die andere Person knien, so lange man mag.

Dynamik: unterschiedliche Situation, oft knien Beide (weil auch nur 1 Person sich für NO entschieden hat)

Stichworte: Blick &Macht, Vertrauen, Sicherheit

 

2. Gruppe: performing architecture

Das Resultat der Arbeit war hier eine Liste an Anforderungen, die ein potentielles Bühnenobjekt haben müsste:

leicht, damit man es stapeln kann; stabil genug, damit man darauf stehen kann; sicher genug, dass es umfallen kann; Kopfhörer, um jeweils Geschichten zu hören; Sensoren, die erkennen, ob man die Objekte umstellt …

Eine Idee: Verschiedene Menschen aus verschiedenen Ländern zu interviewen, wo sie im Klassenraum am liebsten gesessen haben, und warum. Erfahrung mit dem Raum. Die Geschichten dann am jeweiligen Ort im Raum über Kopfhörer hörbar.

Andere Ideen: Boxen verschiebbar für verschiedene Settings, abbaubare Wand, mehrfache Unterteilung des Bühnenraums, Möglichkeit für Publikum, durch Veränderung der Anordnung der Elemente eine neue Szene auszulösen etc…

Stichworte: bewegliches Bühnenbild, interaktiv, Klassenraum vs Parlament, Installation

 

3. Gruppe: classroom setting

Hier wurde mit den Blick-Achsen des Raumes gespielt, indem zwei „Fronten“ etabliert wurden.




#2 Mentoring w/ Mischa Kuball


LECTURE
In der Lecture führte Mischa Kuball durch die Prozesse seiner verschiedenen Werke – von Megazeichen (1990) bis hin zu neuesten Arbeiten. Der Akzent lag vor allem auf Interventionen im öffentlichen Raum.

Für uns ergeben sich dadurch vor allem Fragen, die über das »Stück« hinaus gehen:

 

• Wie kann man Leute aktivieren?

• Wie kann man im Kontakt bleiben mit dem Publikum?

→ Angebote schaffen, die ein neues Pattern erzeugen

• Wie viel Öffentlichkeit braucht ein Stück? Wie viel Öffentlichkeit entsteht von Allein?

→ Aufmerksam entsteht auch von selbst und kann dann neu geframed werden

 

Verantwortung in den Öffentlichen Raum tragen

 

Die Aktionen scheinen vor allem von den Energien zu leben, die man benötigt, um sie in Gang zu setzen: Die Gespräche mit den Anwohner*innen, die Logistik (in der wiederum Akteure gebündelt werden), die Verbindung von Menschen, das Zirkulieren-Lassen von Ideen.

 

Wie lässt sich eine Zone der Verantwortung erzeugen?
Wie können darin Dynamiken entstehen?

 


 

WORKSHOP

 

Auf dem Bücher-Tisch in der Mitte des Studios liegt unter anderem der Band Öffentlichkeit und Erfahrung.
Zur Organisationsanalyse von bürgerlicher und proletarischer Öffentlichkeit von Oskar Negt und Alexander Kluge.
Der Titel trifft – bis auf diese Sache mit dem Bürgertum und den Proletariern – schon ganz gut die Grundfragen
dieses Workshops: Wie lassen sich Erfahrungen von Öffentlichkeit organisieren? Wie entsteht Öffentlichkeit?
Wie lassen sich die Formen der Organisation von Öffentlichkeit als Erfahrungsräume beschreiben und dekonstruieren?

 

 

Unsere grundlegende Fragen waren daher:• Wo fängt ein Stück an ?

• Wo hört ein Stück auf ?
• Wie können „gewöhnliche“ Objekte des Theaters überschrieben werden:
das Programmheft als Score, das Ticket als Anweisung etc.?

 

→ Was sind die Regeln des Raumes?

Wie auch in dem ersten Workshop mit David Mulder haben wir die erste Hälfte des Tages für kleine Präsentationen und konzentrierte Gespräche genutzt, um in der zweiten Tageshälfte in Gruppen zu arbeiten.

 

1. Gruppe
Aufgabe: Wie lassen sich die (räumlichen) Regeln aus dem Gericht oder dem Klassenzimmer auf das Theater anwenden?

 

(1) Gericht / Klassenzimmer als performative Räume mit einer klaren Verteilung von Autorität, Mobilität, Informationsverteilung, Verpflichtungen, Regeln

(2) Theater / Schule / Gericht als geschlossene Milieus, die auf das nachfolgende Milieu verweisen – analog zu den Gefügen der Disziplinargesellschaft, über die Deleuze im Postskriptum schreibt. Die Regeln bilden hier einen »äußeren Raum«, der die Fiktionalität der Regeln stärker hervortreten lässt als die Regeln der Kontrollgesellschaft, die bereits in die einzelnen »Subjekte« hineingewandert sind.

2. Gruppe
Aufgabe: Scoring. Den Theater-Raum mit Regeln neu arrangieren

 

3. Gruppe
Aufgabe: Tickets
Wo fängt ein Stück an? Beim Licht, beim Stromstecker, im Kraftwerk, im Tagebau?

Objekte, die ein Ticket sein könnte:
• Passwort
• Puzzle-Teil
• Manifest
• App / QR-Code
• Buch
• Regeln
• Abreiß-Papier an Laterne etc.
• Vertrag
• etwas, dass man lernt: Gedicht, Song

 

Wie kommt man an das Ticket?
• Etwas lernen
• jagen (Pokemon )
• gewinnen
• kaufen
• einen Test machen
• finden
• stehlen
• Zufall
• verdienen
• tauschen
• …


Ticket as social condition // Ticket eröffnet einen sozialen Raum der Interaktion



#3 Mentoring w/ Alexandre Fray (Cie Un loup pour l‘homme)


 
LECTURE

Die letzte öffentliche Lecture im Rahmen unseres Mentoring-Programms hielt der Performer und künstlerische Leiter der Company „Un loup pour l‘homme“ Alexandre Fray im ZAK (Zirkus- und Artistikzentrum).

 

I‘m not studying on circus, but from circus.“

KEYWORDS

 

  • Raum-Setting

  • Verhältnis Performer*innen ↔ Publikum

  • Architektur

  • Gewalt

Grundfrage für Fray: How to become a human beeing?

 

(1) Partner Akrobatik

wichtig, sich nicht auf eine Rolle (flyer / base) festlegen zu lassen

– horizontale UND vertikale Aufteilung bedenken

Transformation von Beziehungen:

Gleichheit → Ungleichheit

horizontal → vertikal

aktiv ↔ passiv

Base eher aktiv konnotiert → auch durch Kultur des Aktiven

 

Warum wird Aktivität als positiv gelesen?

 

Warum wird Passivität negativ gelesen?

 

politische Dimension beginnt bereits bei dieser Aufteilung zw Flyer & Base und der damit verbundenen Zuschreibung.

 

Auch für Objekte gibt es diese Zuschreibung.

Passive Objekte: Bälle etc.

Aktive Objekte: Trapez

Wie werden auch die Objekte zu einem Subjekt?

 

Politische Bedeutung: Wie den/die Andere(n) nicht zum Objekt machen?

vgl. auch: Verdinglichung in der Kritischen Theorie

Was mache ich gerade?

Nicht: ein Salto. Sondern: Körper drehen, landen etc.

man kann zwischen der Person und der Person auf der Bühne nicht unterscheiden. Es ist keine Figur, die das Salto macht, sondern ICH, und ICH bin dem Risiko ausgesetzt.

 

Your trying to avoid, trying not to loose…“

 

Wie beim Flipper: man kann nur verlieren, aber man zögert es hinaus.

Man ist auch nicht da, um einen Trick zu zeigen: man ist da, um nicht zu sterben.

 

Link zw Zirkus, Dramaturgie und Mensch-Sein

Es ist leicht, ein Held zu sein. Aber darum geht es nicht.

Es geht um den Weg von der Perfektion zur Abstraktion.

Was mache ich gerade? → Was kann ich machen? → Was sollte ich machen?

 

Ontologie Potentialität Ethik

 

Warum mache ich das?: Theater, Psychologie

Wie mache ich das?: Contemporary Dance

Was mache ich?: Traditioneller Zirkus

 

Becoming the image

 

Man muss verhindern, in das »Bild« einer Bewegung zu verfallen.

Nach dem Spielplatz geht es weiter: Spielen, Erkunden …

 

domestic vs wild

 

Nicht in einen Mechanismus zu fallen heißt, lebendig zu bleiben.

Die Pflanzen haben Recht. („Shape as answer to a need“)

Was wäre die »richtige« Antwort auf ein totalitäres Regime?

Was wäre die Kraft, auszubrechen?

Denn:

Der nicht domestizierte Körper hat die Fähigkeit, zu fliehen.

 

Wie kann man eine Performance lebendig halten? Wie fällt man nicht in eine Choreographie zurück?

Score ↔ Performance

Vllt: Level der Challenge anpassen, um im Moment bleiben zu müssen.

 

Nicht die Technik entscheidet, sondern das WIE

 

***

 

Circus is not the image of circus.“


WORKSHOP



#1 Mentoring w/ David Mulder van der Vegt (XML)

 

LECTURE

 

„Depending on whether members of parliament are positioned ‘at arm’s length’ from each other (United Kingdom), five meters apart (Denmark), or fifteen meters apart (Germany), the debate in each hall evolves in a wholly different atmosphere. Clearly, the architecture of a parliament’s interior plays a significant role in the ways in which the nation’s political culture is manifested.“

(XML)

 

Mit seinem Vortrag im Kubus Haus der Architektur Köln eröffnete David Mulder van der Vegt unsere Mentoring-Serie Politics & Geometry, gefördert vom Landesbüro Freie Darstellende Künste e.V. sowie der Kunststiftung NRW. Die Mentoring-Serie beginnt jeweils mit einem öffentlichen Abendvortrag und wird am nächsten Tag in kleiner Runde im Workshop-Format fortgesetzt. In diesem Blog werden einige der besprochenen  Themen und Eindrücke festgehalten, um unseren Research zu dokumentieren.

 

Einige vorgestellte Projekte von XML:

(1) Aufenthaltsraum EU-Parlament

(2) Wasser-Spender (water bar)

(3) De Appel Arts Center: Markierungen am Boden

 

GESCHICHTE

Theater von Syrakus: Politik findet im Theater statt → erst Darstellung moralischer Dilemma z.B. in Tragödien, am selben Ort finden aber auch Abstimmungen statt

Semi-Circle wurde im 19. Jhdt. im Neo-Klassizismus eingeführt

– ideologisch an direkter Demokratie der griechischen Polis orientiert

– architektonisch am römischen Theater orientiert

(→ röm. Theater ist nicht in offener Landschaft, sondern ein geschlossenes Gebäude)

 

GEDANKEN

  • das Parlament ist auf eine Außen bezogen: den Platz, auf dem es steht; die Straße; das Viertel; die Stadt …

  • der Ort des Parlaments innerhalb des Parlamentsgebäudes ist interessant. In der russischen Duma fast wie ein Labyrinth …

  • Schwedisches Parlament: nicht nach politischen Richtungen geordnet, sondern nach Geographie

  • Straßburger Parlament ist wie ein TV-Studio eingerichtet → Medien und Demokratie

  • Obwohl das Parlament der öffentliche Raum ist (oder der »Kern« der demokratischen Gesellschaft), ist er sehr schwer zugänglich.

  • Parlament in Bonn komplett nach demokratischen Prinzipien entworfen: es gibt z.B. keine Schrauben, da es in Demokratie nicht um Macht geht

    →die Frage, welche Kraft welches Narrativ hat, lässt sich auch auf den performativen Raum übertragen

  • Wo finden die Entscheidungen / wichtigen Debatten statt? → Kleinere Büros etc.

 

Interessant für David: Von den Teilnehmer*innen kamen viele Anmerkungen in Bezug auf Komfort, Materialität der Sitze, vorgegebene Performativität durch Raum-Anordnung

(Beispiel: Niederländisches Parlament – so gebaut, dass die sprechende Person vorne schwer zu verstehen ist)


WORKSHOP

 

Auch wenn die Verteilung statisch wirkt, gibt es viele Abstufungen in der Hierarchie.

Interessant: die Back-Up – Bänke (nicht nur das Verhältnis Sprecher*in ↔ Publikum wichtig, sondern auch die Reihe hinter dem/der Sprecher*in als performativer Support)

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(Symmetrie und Achsen wichtig bei Raum-Aufteilung)

Klassenraum: eher Konferenz-Stil; Konsumieren und Verteilen von Informationen

Klassenraum kommt qua Architektur vom Theater

Auch wichtig: Wie kommt man zu diesem Raum innerhalb des Gebäudes?

 

Autoritärer Gestus: Irritation, Vertikalität, Kontextualisierung / Framing, Abstraktion, Verlassen der Komfort-Zone

Ähnelt Kino / cinematic apparatus: Macht der Verkörperung, Blick bewegt sich mit Kameras

→ autoritäre Figuren lassen sich als „Avatare“ denken, gleichzeitig ist es auch ein „Genuss“, sich von dieser „Virtualität“ zu distanzieren

(Hat das autoritäre System auch etwas damit zu tun, über die Virtualität Anteil an der Macht zu haben? Will man einen autoritären Führer, weil man dann selbst, zumindest in der Imagination, mächtig ist?)

 

GEDANKEN / ANSTÖßE

  • Autoritäre Tools: Komfort anbieten im Austausch gegen Machtlosigkeit (in den letzten beiden Stücken war der Fokus eher auf Destabilisierung)

  • „amplifying stereotypes“

  • Gropius: Gesamt-Theater → veränderbare Architektur

  • Klassenraum als Kontrollgesellschaft

  • wie verändert eine neue Idee von Bildung das Klassenzimmer?

  • Wenn wir über das Klassenzimmer sprechen, sprechen wir nicht über unsere Gesellschaft – in Teilen sprechen wir aber schon über unsere Gesellschaft. Was genau ist unser Verhältnis zum Klassenraum, welche Funktion hat er im Narrativ?

  • David: „Its very much about deconstructing space.“

 

GRUPPEN

 

1. Gruppe: forced intimacy

Die Teilnehmer*innen wurden „Yes or No“ gefragt ohne Erklärung.

Bei Yes: Instruktion für das Spiel; Bei No: keine Instruktion

Spiel: Im Kreis laufen, bei Blickkontakt vor die andere Person knien, so lange man mag.

Dynamik: unterschiedliche Situation, oft knien Beide (weil auch nur 1 Person sich für NO entschieden hat)

Stichworte: Blick &Macht, Vertrauen, Sicherheit

 

2. Gruppe: performing architecture

Das Resultat der Arbeit war hier eine Liste an Anforderungen, die ein potentielles Bühnenobjekt haben müsste:

leicht, damit man es stapeln kann; stabil genug, damit man darauf stehen kann; sicher genug, dass es umfallen kann; Kopfhörer, um jeweils Geschichten zu hören; Sensoren, die erkennen, ob man die Objekte umstellt …

Eine Idee: Verschiedene Menschen aus verschiedenen Ländern zu interviewen, wo sie im Klassenraum am liebsten gesessen haben, und warum. Erfahrung mit dem Raum. Die Geschichten dann am jeweiligen Ort im Raum über Kopfhörer hörbar.

Andere Ideen: Boxen verschiebbar für verschiedene Settings, abbaubare Wand, mehrfache Unterteilung des Bühnenraums, Möglichkeit für Publikum, durch Veränderung der Anordnung der Elemente eine neue Szene auszulösen etc…

Stichworte: bewegliches Bühnenbild, interaktiv, Klassenraum vs Parlament, Installation

 

3. Gruppe: classroom setting

Hier wurde mit den Blick-Achsen des Raumes gespielt, indem zwei „Fronten“ etabliert wurden.




#2 Mentoring w/ Mischa Kuball


LECTURE
In der Lecture führte Mischa Kuball durch die Prozesse seiner verschiedenen Werke – von Megazeichen (1990) bis hin zu neuesten Arbeiten. Der Akzent lag vor allem auf Interventionen im öffentlichen Raum.

Für uns ergeben sich dadurch vor allem Fragen, die über das »Stück« hinaus gehen:

 

• Wie kann man Leute aktivieren?

• Wie kann man im Kontakt bleiben mit dem Publikum?

→ Angebote schaffen, die ein neues Pattern erzeugen

• Wie viel Öffentlichkeit braucht ein Stück? Wie viel Öffentlichkeit entsteht von Allein?

→ Aufmerksam entsteht auch von selbst und kann dann neu geframed werden

 

Verantwortung in den Öffentlichen Raum tragen

 

Die Aktionen scheinen vor allem von den Energien zu leben, die man benötigt, um sie in Gang zu setzen: Die Gespräche mit den Anwohner*innen, die Logistik (in der wiederum Akteure gebündelt werden), die Verbindung von Menschen, das Zirkulieren-Lassen von Ideen.

 

Wie lässt sich eine Zone der Verantwortung erzeugen?
Wie können darin Dynamiken entstehen?

 


 

WORKSHOP

 

Auf dem Bücher-Tisch in der Mitte des Studios liegt unter anderem der Band Öffentlichkeit und Erfahrung.
Zur Organisationsanalyse von bürgerlicher und proletarischer Öffentlichkeit von Oskar Negt und Alexander Kluge.
Der Titel trifft – bis auf diese Sache mit dem Bürgertum und den Proletariern – schon ganz gut die Grundfragen
dieses Workshops: Wie lassen sich Erfahrungen von Öffentlichkeit organisieren? Wie entsteht Öffentlichkeit?
Wie lassen sich die Formen der Organisation von Öffentlichkeit als Erfahrungsräume beschreiben und dekonstruieren?

 

 

Unsere grundlegende Fragen waren daher:• Wo fängt ein Stück an ?

• Wo hört ein Stück auf ?
• Wie können „gewöhnliche“ Objekte des Theaters überschrieben werden:
das Programmheft als Score, das Ticket als Anweisung etc.?

 

→ Was sind die Regeln des Raumes?

Wie auch in dem ersten Workshop mit David Mulder haben wir die erste Hälfte des Tages für kleine Präsentationen und konzentrierte Gespräche genutzt, um in der zweiten Tageshälfte in Gruppen zu arbeiten.

 

1. Gruppe
Aufgabe: Wie lassen sich die (räumlichen) Regeln aus dem Gericht oder dem Klassenzimmer auf das Theater anwenden?

 

(1) Gericht / Klassenzimmer als performative Räume mit einer klaren Verteilung von Autorität, Mobilität, Informationsverteilung, Verpflichtungen, Regeln

(2) Theater / Schule / Gericht als geschlossene Milieus, die auf das nachfolgende Milieu verweisen – analog zu den Gefügen der Disziplinargesellschaft, über die Deleuze im Postskriptum schreibt. Die Regeln bilden hier einen »äußeren Raum«, der die Fiktionalität der Regeln stärker hervortreten lässt als die Regeln der Kontrollgesellschaft, die bereits in die einzelnen »Subjekte« hineingewandert sind.

2. Gruppe
Aufgabe: Scoring. Den Theater-Raum mit Regeln neu arrangieren

 

3. Gruppe
Aufgabe: Tickets
Wo fängt ein Stück an? Beim Licht, beim Stromstecker, im Kraftwerk, im Tagebau?

Objekte, die ein Ticket sein könnte:
• Passwort
• Puzzle-Teil
• Manifest
• App / QR-Code
• Buch
• Regeln
• Abreiß-Papier an Laterne etc.
• Vertrag
• etwas, dass man lernt: Gedicht, Song

 

Wie kommt man an das Ticket?
• Etwas lernen
• jagen (Pokemon )
• gewinnen
• kaufen
• einen Test machen
• finden
• stehlen
• Zufall
• verdienen
• tauschen
• …


Ticket as social condition // Ticket eröffnet einen sozialen Raum der Interaktion



#3 Mentoring w/ Alexandre Fray (Cie Un loup pour l‘homme)


 
LECTURE

Die letzte öffentliche Lecture im Rahmen unseres Mentoring-Programms hielt der Performer und künstlerische Leiter der Company „Un loup pour l‘homme“ Alexandre Fray im ZAK (Zirkus- und Artistikzentrum).

 

I‘m not studying on circus, but from circus.“

KEYWORDS

 

  • Raum-Setting

  • Verhältnis Performer*innen ↔ Publikum

  • Architektur

  • Gewalt

Grundfrage für Fray: How to become a human beeing?

 

(1) Partner Akrobatik

wichtig, sich nicht auf eine Rolle (flyer / base) festlegen zu lassen

– horizontale UND vertikale Aufteilung bedenken

Transformation von Beziehungen:

Gleichheit → Ungleichheit

horizontal → vertikal

aktiv ↔ passiv

Base eher aktiv konnotiert → auch durch Kultur des Aktiven

 

Warum wird Aktivität als positiv gelesen?

 

Warum wird Passivität negativ gelesen?

 

politische Dimension beginnt bereits bei dieser Aufteilung zw Flyer & Base und der damit verbundenen Zuschreibung.

 

Auch für Objekte gibt es diese Zuschreibung.

Passive Objekte: Bälle etc.

Aktive Objekte: Trapez

Wie werden auch die Objekte zu einem Subjekt?

 

Politische Bedeutung: Wie den/die Andere(n) nicht zum Objekt machen?

vgl. auch: Verdinglichung in der Kritischen Theorie

Was mache ich gerade?

Nicht: ein Salto. Sondern: Körper drehen, landen etc.

man kann zwischen der Person und der Person auf der Bühne nicht unterscheiden. Es ist keine Figur, die das Salto macht, sondern ICH, und ICH bin dem Risiko ausgesetzt.

 

Your trying to avoid, trying not to loose…“

 

Wie beim Flipper: man kann nur verlieren, aber man zögert es hinaus.

Man ist auch nicht da, um einen Trick zu zeigen: man ist da, um nicht zu sterben.

 

Link zw Zirkus, Dramaturgie und Mensch-Sein

Es ist leicht, ein Held zu sein. Aber darum geht es nicht.

Es geht um den Weg von der Perfektion zur Abstraktion.

Was mache ich gerade? → Was kann ich machen? → Was sollte ich machen?

 

Ontologie Potentialität Ethik

 

Warum mache ich das?: Theater, Psychologie

Wie mache ich das?: Contemporary Dance

Was mache ich?: Traditioneller Zirkus

 

Becoming the image

 

Man muss verhindern, in das »Bild« einer Bewegung zu verfallen.

Nach dem Spielplatz geht es weiter: Spielen, Erkunden …

 

domestic vs wild

 

Nicht in einen Mechanismus zu fallen heißt, lebendig zu bleiben.

Die Pflanzen haben Recht. („Shape as answer to a need“)

Was wäre die »richtige« Antwort auf ein totalitäres Regime?

Was wäre die Kraft, auszubrechen?

Denn:

Der nicht domestizierte Körper hat die Fähigkeit, zu fliehen.

 

Wie kann man eine Performance lebendig halten? Wie fällt man nicht in eine Choreographie zurück?

Score ↔ Performance

Vllt: Level der Challenge anpassen, um im Moment bleiben zu müssen.

 

Nicht die Technik entscheidet, sondern das WIE

 

***

 

Circus is not the image of circus.“


WORKSHOP


XML/David Mulder