Pressestimmen

Allgemein

(Nicole Salathe, SRF, 2016)
Portrait / Ein getanztes Schreckensbild nach Bacon
Tim Behren und Florian Patschovsky, Gewinner des Berner Tanzpreises 2015, haben eben mit dem Ensemble des Konzerttheaters Bern Premiere von «Francis Bacon» gefeiert. Ihr Stück bringt das verstörende Leben und Werk des Malers auf die Bühne. Eine intensive Arbeit, die eigenwillige Bilder schafft.

 

Die Choreographen, Tänzer und Akrobaten Tim Behren und Florian Patschovsky wurden bereits in jungen Jahren mit dem Zirkus-Virus infiziert. Beide fanden im Grundschulalter den Weg in die Manege. Tim in Tübingen. Florian in Heidelberg. Artistik und Akrobatik hatten es ihnen – unabhängig voneinander – angetan.

 

Nach der Schule war die grosse Frage: Studium oder Salto? Die beiden Talente entschieden sich für letzteres und bewarben sich an verschiedenen europäischen Schulen. «Ich habe sogar meinen Zivildienst in einem Kinder- und Jugendzirkus absolviert, danach waren alle Zweifel ausgeräumt, wie ich mein Leben leben möchte», sagt Florian Patschovsky.

 

Leben für den Zeitgenössischen Zirkus
An der Brüsseler Ecole Supérieure des Arts du Cirque lernen sich Behren und Patschovsky 2007 schliesslich kennen und werden als Partnerakrobaten ausgebildet. «Eine Art Ehe», wie die zwei lachend ergänzen. Und diese hält.

 

Seit 2009 sind die beiden Wahl-Kölner als Duo «Overhead Project» unterwegs. Kopfüber sieht man sie in ihren Stücken denn auch häufig. Doch mit Zirkus im traditionellen Sinne haben Behren und Patschovsky nichts mehr am Hut. Eine neue Ästhetik und die Kunstsparte Tanz haben gelockt. Sein Schaffen bezeichnet das Team als «zeitgenössischen Zirkus»; es bewegt sich an der Grenze zwischen Zirkus, Tanz und Performance. Das Ziel: eine völlig eigene Bewegungssprache entwickeln. «Uns interessiert der Mensch hinter dem Akrobaten», so Behren.

 

Im Duo mit einem Ensemble
Behren und Patschovsky arbeiten an ihrer Vision mit Verve. Der Erfolg gibt ihnen Recht. Mit ihrem Duett aus dem Stück «(How To Be) Almost There» gewinnen sie mehrere Preise. Unter anderem 2015 den Berner Tanzpreis, der es ihnen ermöglicht, mit dem Ensemble des Konzerttheaters Bern das abendfüllende Stück «Francis Bacon» zu kreieren.

 

Es ist erst ihre zweite Arbeit mit einer großen Company. Keine leichte Aufgabe, denn was sich im eingespielten Duett mit einem Blick oder einer Geste kommunizieren lässt, überträgt sich nicht automatisch auf eine ganze Gruppe. Zudem lebt «Francis Bacon» von Gewalt, Schmerz und Leid. «Zum einen ist das Ensemble sehr homogen. Es davon zu überzeugen, wie es ‹unser› Bild der Gewalt darstellen soll, war richtig Arbeit. Hinzu kam: Eine Präsenz in der Gewalt zu kreieren, ohne sich gegenseitig zerfleischen zu müssen, das will gelernt sein», erzählt Florian Patschovsky.  Zugute kam den beiden die Erfahrung mit ihrem Stück «Carnival of the body», das Wrestling als martialische Körperinszenierung thematisiert.

 

Verstörend und eigenwillig
In «Francis Bacon» hat das Choreographen-Duo nun eigene, eigenwillige Bilder geschaffen, die teilweise bis ins Innerste dringen und verstören. Fast wie Bacons Werk. Behren und Patschovsky arbeiten bereits an ihren nächsten Projekten. Sind als Akrobaten, Tänzer, Choreographen und Regisseure unterwegs. Das Duo ist gefragt. «Overhead Project» kann erhobenen Hauptes in die Zukunft blicken.

 

Videointerview

(Nicole Salathé, SRF, 2016)
Wie seid ihr zum  Zirkus gekommen?
Was versteht ihr unter zeitgenössischem Zirkus?
Was bedeutet die Arbeit mit einem Ensemble?

 

(Melanie Suchy, tanz , 2012)
Portrait / Menschen
Als Zweierkompanie heißen sie Overhead Project und sitzen seit 2008 in Köln. Obwohl, Sitzen ist das nicht. Hand zu Hand heisst ihr Metier, dazu gehören immer zwei. Oft sind das Mann und Frau, bei ihnen heisst das Untermann und Obermann. Tim Behren etwas größer, Kollege Florian Patschovsky etwas feingliedriger. Sie reden auch in perfekter Abstimmung, keiner überfährt den anderen. Dieser Takt, diese untergründige, nie herausgestellte Vertrautheit ergibt auf der Bühne ein wunderbares Bild für Miteinander, Haut-an-Haut jenseits allzu gewöhnlicher Konnotationen.
Jahrgang 1985 und 1982, fingen beide in Kinderzirkussen an, trafen sich beim Studium in Brüssel an der Hochscule der Zirkuskünste ESAC, die auch Tanz und Schauspiel lehrt. Neuer Zirkus, Nouveau Cirque ist ihr Ding, jenseits showmäßiger Sportakrobatik. Sie verflüssigen bewusst das Statische der Handstände, der sogenannten Tricks oder Wow-Effekte. Ganz ausschalten lässt sich das Staunen des Publikums natürlich nicht. Da sind sie ehrlich; sie suchen nach neuen Erfahrungen, würden aber auch einen Choreografen nicht irgendwas mit ihnen anstellen lassen, sondern bestehen immer auf ihrer “Essenz”, dem Material des Hand-zu-Hand.

 

(Stadtrevue 2013)
Portrait 
…“ Seit einer Weile erweitern die Kölner Performer Tim Behren und Florian Patschovsky auf erfreuliche Weise den herkömmlichen Tanzbegriff. Beide sind Artisten, die auch tanzen. Sie sehen einander auf den Schultern, Köpfen und Hängen, finden in unmöglichen Lagen perfekte Balancen und auf scheinbar leichten Wegen wieder zurück. Seit ihrem Studium an der Brüsseler Zirkusschule „ESAC“ kombiniert das preisgekrönte Duo unter dem Label „Overhead Project“ ihr Spezialkönnen mit zeitgenössischem Tanz und poetisch-theatralen Szenerien. Der Oberbegriff für diese neue Körper und Bewegungssprache: „Nouveau Cirque“

 

(Graziella Padilla, Jury No Ballet, 2011)
Portrait 
„Tanz?…, Akrobatik?…, Akrobatischer Tanz…?  Der Intellekt ist bemüht, die Bilder in eine bekannte Kategorisierung einzuordnen. Akrobatik in klassisch – akademischer Prägung gehört zum Bühnentanz-Repertoire. Da dieses Duo jedoch seine Akrobatik aus dem Bereich des Nouveau Cirque bezieht, führt dies im ersten Moment zu einer leichten Irritation beim Zuschauer, bis die Faszination des Tanzes alles andere vergessen lässt.

 

(Dorothea Marcus,  aKT 2013)
Portrait – Neue Theatermacher in der Stadt
Fallen ohne Netz
 Das Duo Overhead Project von Tim Behren und Florian Patschovsky hat sich in Köln angesiedelt, um von hier das Genre des „Neuen Zirkus“ zu revolutionieren und frischen Wind in die Tanzszene zu bringen.
Schule kann eben doch Leben verändern. So war es zumindest bei Tim Behren (29) und Florian Patschovsky (32). Dass sie gewaltige Hebefiguren stemmen, Salti und Sprünge beherrschen, sich rasend schnell durch die Luft schmeißen können, sieht man ihnen auf Anhieb nicht an. Sie sehen in der aKT-Küche aus wie zwei zwar kräftige, aber total normale Männer. Infiziert sind sie aber trotzdem beide, trainieren täglich, fordern ihre Körper bis aufs Äußerste. Beide, der Eine in Tübingen, der Andere aus Heidelberg, besuchten die Kinder- und Jugendzirkusse ihrer Gymnasien und kamen nicht mehr los von Jonglage, der Artistik und vor allem der Akrobatik. Schließlich trafen sie in Brüssel an der Zirkushochschule ESAC aufeinander, wo sie Freunde wurden – und Partnerakrobaten. 2009 haben sie nun in Köln das Duo „Overhead Project“ gegründet, was sinnig ist, denn „über Kopf“ sieht man sie auf der Bühne häufig.
Katzenhaft, elegant, spektakulär und sanft loten sie etwa in ihrer ersten abendfüllenden Choreografie „Eh La“ aus, was passiert, wenn der Mensch fällt. Aus Zusammenhängen. In Abgründe. Oder einfach nur in die Luft. Die körperlichen und metaphorischen Bedeutungen des Fallens wollen sie in „Eh La“ ergründen, und das hat kaum noch etwas mit dem Genre „Zirkus“ zu tun. Noch nicht einmal mit dem Genre „Neuer Zirkus“, eine Bewegung, die in den 70er-Jahren als „Nouveau Cirque“ in Frankreich entstand, dort als neue Kunstform Furore machte und in Deutschland noch in den Kinderschuhen steckt. „Neuer Zirkus ist zwar eine wichtige Erweiterung des Genres, aber nicht so ganz unseres, es assoziiert immer noch Show-Produktion und Event-Hype“, erzählt Tim Behren, sie beide bevorzugen eher den Begriff „Zeitgenössischer Zirkus“, „das ist offener“. Und es bedeutet für sie experimentell mit ihrer Zirkusdiziplin, der Partnerakrobatik, auf der Bühne umzugehen – und dabei letztlich den Tanz zu erweitern. In Köln haben sich die beiden Süddeutschen niedergelassen unter anderem, weil Florian Patschovskys Geschwister ebenfalls hier sind: sein Bruder etwa leitet die Zirkuspädagogikausbildung im Zirkus- und Artistik-Zentrum Köln (ZAK), dort soll der Neue Zirkus mit Hilfe von Kulturamt Köln und dem Land NRW ohnehin gerade zu einem neuen Schwerpunkt ausgebaut werden – mit Ausstrahlung für ganz Westdeutschland.
Und natürlich sind sie auch nach Köln gekommen, weil es so gut an Brüssel oder Paris angebunden ist – der beiden Hauptstädte des „Zeitgenössischen Zirkus“. Von der Kölner Szene wurden „Overhead Project“ geradezu enthusiastisch begrüßt. Z.B., als sie beim MAD-Festival in der Wachsfabrik bei Barnes Crossing auftraten. Oder mit dem Ensemble „HeadFeedHands“ das Festival TanzKonkret in der Orangerie eröffneten. (…) Ohnehin fühlen sie sich in Köln sehr wohl, trotz aller bekannter Raumprobleme, „Hier hat man die Möglichkeit, richtig zu netzwerken“, sagen sie. (…)
Es läuft also gut für die beiden, „Wir müssen noch nicht einmal unterrichten“, lachen sie. Sie sind stark gebucht, gehen viel auf Tournee, werden aber auch als einzelne Tänzer gebucht. Zum Beispiel für Stephanie Thiersch, oder in „Now & Next“ mit einem Kooperationsprojekt mit der Köln-Israelische Choreografin Reut Shemesh, die ebenfalls seit fast zwei Jahren die Kölner Tanzszene erleuchtet. Aber auch im Land wurde man schon aufmerksam: Mit HeadFeedHands werden sie sogar das wichtige Festival „Tanz NRW“ Ende April 2013 miteröffnen.

 

 

Allgemein

(Nicole Salathe, SRF, 2016)
Portrait / Ein getanztes Schreckensbild nach Bacon
Tim Behren und Florian Patschovsky, Gewinner des Berner Tanzpreises 2015, haben eben mit dem Ensemble des Konzerttheaters Bern Premiere von «Francis Bacon» gefeiert. Ihr Stück bringt das verstörende Leben und Werk des Malers auf die Bühne. Eine intensive Arbeit, die eigenwillige Bilder schafft.

 

Die Choreographen, Tänzer und Akrobaten Tim Behren und Florian Patschovsky wurden bereits in jungen Jahren mit dem Zirkus-Virus infiziert. Beide fanden im Grundschulalter den Weg in die Manege. Tim in Tübingen. Florian in Heidelberg. Artistik und Akrobatik hatten es ihnen – unabhängig voneinander – angetan.

 

Nach der Schule war die grosse Frage: Studium oder Salto? Die beiden Talente entschieden sich für letzteres und bewarben sich an verschiedenen europäischen Schulen. «Ich habe sogar meinen Zivildienst in einem Kinder- und Jugendzirkus absolviert, danach waren alle Zweifel ausgeräumt, wie ich mein Leben leben möchte», sagt Florian Patschovsky.

 

Leben für den Zeitgenössischen Zirkus
An der Brüsseler Ecole Supérieure des Arts du Cirque lernen sich Behren und Patschovsky 2007 schliesslich kennen und werden als Partnerakrobaten ausgebildet. «Eine Art Ehe», wie die zwei lachend ergänzen. Und diese hält.

 

Seit 2009 sind die beiden Wahl-Kölner als Duo «Overhead Project» unterwegs. Kopfüber sieht man sie in ihren Stücken denn auch häufig. Doch mit Zirkus im traditionellen Sinne haben Behren und Patschovsky nichts mehr am Hut. Eine neue Ästhetik und die Kunstsparte Tanz haben gelockt. Sein Schaffen bezeichnet das Team als «zeitgenössischen Zirkus»; es bewegt sich an der Grenze zwischen Zirkus, Tanz und Performance. Das Ziel: eine völlig eigene Bewegungssprache entwickeln. «Uns interessiert der Mensch hinter dem Akrobaten», so Behren.

 

Im Duo mit einem Ensemble
Behren und Patschovsky arbeiten an ihrer Vision mit Verve. Der Erfolg gibt ihnen Recht. Mit ihrem Duett aus dem Stück «(How To Be) Almost There» gewinnen sie mehrere Preise. Unter anderem 2015 den Berner Tanzpreis, der es ihnen ermöglicht, mit dem Ensemble des Konzerttheaters Bern das abendfüllende Stück «Francis Bacon» zu kreieren.

 

Es ist erst ihre zweite Arbeit mit einer großen Company. Keine leichte Aufgabe, denn was sich im eingespielten Duett mit einem Blick oder einer Geste kommunizieren lässt, überträgt sich nicht automatisch auf eine ganze Gruppe. Zudem lebt «Francis Bacon» von Gewalt, Schmerz und Leid. «Zum einen ist das Ensemble sehr homogen. Es davon zu überzeugen, wie es ‹unser› Bild der Gewalt darstellen soll, war richtig Arbeit. Hinzu kam: Eine Präsenz in der Gewalt zu kreieren, ohne sich gegenseitig zerfleischen zu müssen, das will gelernt sein», erzählt Florian Patschovsky.  Zugute kam den beiden die Erfahrung mit ihrem Stück «Carnival of the body», das Wrestling als martialische Körperinszenierung thematisiert.

 

Verstörend und eigenwillig
In «Francis Bacon» hat das Choreographen-Duo nun eigene, eigenwillige Bilder geschaffen, die teilweise bis ins Innerste dringen und verstören. Fast wie Bacons Werk. Behren und Patschovsky arbeiten bereits an ihren nächsten Projekten. Sind als Akrobaten, Tänzer, Choreographen und Regisseure unterwegs. Das Duo ist gefragt. «Overhead Project» kann erhobenen Hauptes in die Zukunft blicken.

 

Videointerview

(Nicole Salathé, SRF, 2016)
Wie seid ihr zum  Zirkus gekommen?
Was versteht ihr unter zeitgenössischem Zirkus?
Was bedeutet die Arbeit mit einem Ensemble?

 

(Melanie Suchy, tanz , 2012)
Portrait / Menschen
Als Zweierkompanie heißen sie Overhead Project und sitzen seit 2008 in Köln. Obwohl, Sitzen ist das nicht. Hand zu Hand heisst ihr Metier, dazu gehören immer zwei. Oft sind das Mann und Frau, bei ihnen heisst das Untermann und Obermann. Tim Behren etwas größer, Kollege Florian Patschovsky etwas feingliedriger. Sie reden auch in perfekter Abstimmung, keiner überfährt den anderen. Dieser Takt, diese untergründige, nie herausgestellte Vertrautheit ergibt auf der Bühne ein wunderbares Bild für Miteinander, Haut-an-Haut jenseits allzu gewöhnlicher Konnotationen.
Jahrgang 1985 und 1982, fingen beide in Kinderzirkussen an, trafen sich beim Studium in Brüssel an der Hochscule der Zirkuskünste ESAC, die auch Tanz und Schauspiel lehrt. Neuer Zirkus, Nouveau Cirque ist ihr Ding, jenseits showmäßiger Sportakrobatik. Sie verflüssigen bewusst das Statische der Handstände, der sogenannten Tricks oder Wow-Effekte. Ganz ausschalten lässt sich das Staunen des Publikums natürlich nicht. Da sind sie ehrlich; sie suchen nach neuen Erfahrungen, würden aber auch einen Choreografen nicht irgendwas mit ihnen anstellen lassen, sondern bestehen immer auf ihrer “Essenz”, dem Material des Hand-zu-Hand.

 

(Stadtrevue 2013)
Portrait 
…“ Seit einer Weile erweitern die Kölner Performer Tim Behren und Florian Patschovsky auf erfreuliche Weise den herkömmlichen Tanzbegriff. Beide sind Artisten, die auch tanzen. Sie sehen einander auf den Schultern, Köpfen und Hängen, finden in unmöglichen Lagen perfekte Balancen und auf scheinbar leichten Wegen wieder zurück. Seit ihrem Studium an der Brüsseler Zirkusschule „ESAC“ kombiniert das preisgekrönte Duo unter dem Label „Overhead Project“ ihr Spezialkönnen mit zeitgenössischem Tanz und poetisch-theatralen Szenerien. Der Oberbegriff für diese neue Körper und Bewegungssprache: „Nouveau Cirque“

 

(Graziella Padilla, Jury No Ballet, 2011)
Portrait 
„Tanz?…, Akrobatik?…, Akrobatischer Tanz…?  Der Intellekt ist bemüht, die Bilder in eine bekannte Kategorisierung einzuordnen. Akrobatik in klassisch – akademischer Prägung gehört zum Bühnentanz-Repertoire. Da dieses Duo jedoch seine Akrobatik aus dem Bereich des Nouveau Cirque bezieht, führt dies im ersten Moment zu einer leichten Irritation beim Zuschauer, bis die Faszination des Tanzes alles andere vergessen lässt.

 

(Dorothea Marcus,  aKT 2013)
Portrait – Neue Theatermacher in der Stadt
Fallen ohne Netz
 Das Duo Overhead Project von Tim Behren und Florian Patschovsky hat sich in Köln angesiedelt, um von hier das Genre des „Neuen Zirkus“ zu revolutionieren und frischen Wind in die Tanzszene zu bringen.
Schule kann eben doch Leben verändern. So war es zumindest bei Tim Behren (29) und Florian Patschovsky (32). Dass sie gewaltige Hebefiguren stemmen, Salti und Sprünge beherrschen, sich rasend schnell durch die Luft schmeißen können, sieht man ihnen auf Anhieb nicht an. Sie sehen in der aKT-Küche aus wie zwei zwar kräftige, aber total normale Männer. Infiziert sind sie aber trotzdem beide, trainieren täglich, fordern ihre Körper bis aufs Äußerste. Beide, der Eine in Tübingen, der Andere aus Heidelberg, besuchten die Kinder- und Jugendzirkusse ihrer Gymnasien und kamen nicht mehr los von Jonglage, der Artistik und vor allem der Akrobatik. Schließlich trafen sie in Brüssel an der Zirkushochschule ESAC aufeinander, wo sie Freunde wurden – und Partnerakrobaten. 2009 haben sie nun in Köln das Duo „Overhead Project“ gegründet, was sinnig ist, denn „über Kopf“ sieht man sie auf der Bühne häufig.
Katzenhaft, elegant, spektakulär und sanft loten sie etwa in ihrer ersten abendfüllenden Choreografie „Eh La“ aus, was passiert, wenn der Mensch fällt. Aus Zusammenhängen. In Abgründe. Oder einfach nur in die Luft. Die körperlichen und metaphorischen Bedeutungen des Fallens wollen sie in „Eh La“ ergründen, und das hat kaum noch etwas mit dem Genre „Zirkus“ zu tun. Noch nicht einmal mit dem Genre „Neuer Zirkus“, eine Bewegung, die in den 70er-Jahren als „Nouveau Cirque“ in Frankreich entstand, dort als neue Kunstform Furore machte und in Deutschland noch in den Kinderschuhen steckt. „Neuer Zirkus ist zwar eine wichtige Erweiterung des Genres, aber nicht so ganz unseres, es assoziiert immer noch Show-Produktion und Event-Hype“, erzählt Tim Behren, sie beide bevorzugen eher den Begriff „Zeitgenössischer Zirkus“, „das ist offener“. Und es bedeutet für sie experimentell mit ihrer Zirkusdiziplin, der Partnerakrobatik, auf der Bühne umzugehen – und dabei letztlich den Tanz zu erweitern. In Köln haben sich die beiden Süddeutschen niedergelassen unter anderem, weil Florian Patschovskys Geschwister ebenfalls hier sind: sein Bruder etwa leitet die Zirkuspädagogikausbildung im Zirkus- und Artistik-Zentrum Köln (ZAK), dort soll der Neue Zirkus mit Hilfe von Kulturamt Köln und dem Land NRW ohnehin gerade zu einem neuen Schwerpunkt ausgebaut werden – mit Ausstrahlung für ganz Westdeutschland.
Und natürlich sind sie auch nach Köln gekommen, weil es so gut an Brüssel oder Paris angebunden ist – der beiden Hauptstädte des „Zeitgenössischen Zirkus“. Von der Kölner Szene wurden „Overhead Project“ geradezu enthusiastisch begrüßt. Z.B., als sie beim MAD-Festival in der Wachsfabrik bei Barnes Crossing auftraten. Oder mit dem Ensemble „HeadFeedHands“ das Festival TanzKonkret in der Orangerie eröffneten. (…) Ohnehin fühlen sie sich in Köln sehr wohl, trotz aller bekannter Raumprobleme, „Hier hat man die Möglichkeit, richtig zu netzwerken“, sagen sie. (…)
Es läuft also gut für die beiden, „Wir müssen noch nicht einmal unterrichten“, lachen sie. Sie sind stark gebucht, gehen viel auf Tournee, werden aber auch als einzelne Tänzer gebucht. Zum Beispiel für Stephanie Thiersch, oder in „Now & Next“ mit einem Kooperationsprojekt mit der Köln-Israelische Choreografin Reut Shemesh, die ebenfalls seit fast zwei Jahren die Kölner Tanzszene erleuchtet. Aber auch im Land wurde man schon aufmerksam: Mit HeadFeedHands werden sie sogar das wichtige Festival „Tanz NRW“ Ende April 2013 miteröffnen.