Research


Recherche #Körper #Gewalt #Architektur

INTRO 

Dies ist die Dokumentation einer interdiszplinären Recherche im Rahmen der Initialvorhaben des Fonds Darstellende Künste. Bei den Initialvorhaben steht die künstlerische Idee sowie Beschäftigung mit einem thematisch / inhaltlichen Zugang ergebnisoffen und produktionsunabhängig im Mittelpunkt. Gefördert werden inhaltlich-explorative Vorhaben, wie Recherchen, Laboratorien, Erkundungen oder andere Versuchsanordnungen zur Generierung von künstlerischen Inhalten.
Die Dokumentation dieser Recherche ist nicht chronologisch und bewusst fragmentarisch verfasst. Sie soll in Auszügen einen Einblick in die Arbeits- und Rechercheprozesse der Compagnie Overhead Project geben.

 

AUSGANGSPUNKT
Im Fokus steht für uns die Beschäftigung mit der Frage, wie wir eine künstlerische Position zum Thema #Gewalt zeitgemäß konzipieren und uns speziell dem Themen-Komplex #Körper #Gewalt #Architektur im Kontext u.a. der aktuellen soziopolitischen Entwicklungen anzunähern

Das Team der Berliner Festspiele, welches die diesjährige Stückemarkt-Ausschreibung „Was kommt nach dem Protest“ formuliert hat, wies zutreffend nochmal auf eine gängige Theaterpraxis der Romantisierung eines Status Quo bzw. – übertragen auf den Tanz – die ästhetische Veranschaulichung der bestehenden Verhältnisse hin. Uns interessiert in unserer Arbeit zum Einen die Weiterentwicklung einer künstlerisch „aktivistischen“ Einmischung im Sinne einer klaren künstlerischen Positionierung. Zum anderen arbeiten wir an der Transformation von konsumierbaren Theaterbesuchen in ein immer immersiver werdendes Eintauchen in Theaterperformances, die im räumlich-architektonischen sowie physischen Sinne erlebbare Erfahrungsräume schafft und dennoch in Theaterräumen stattfinden können.

Einer unserer Ausgangspunkte bildet dabei die Architektur von Orten, in denen sich politische Prozesse vollziehen. Die architektonischen Grundrisse und Sitzanordnungen der Parlamentsgebäude in den UN-Ländern beispielsweise blieben überwiegend über die Jahrhunderte gleich, obwohl sich die Gesellschaften grundlegend veränderten. Welche Verbindungen gibt es zwischen Architektur und politischer Gewalt?

 

TEAM
Interdisciplinary Research
Tim Behren (Choreograph, Künstlerische Leitung)
Simon Bauer (Komponist)
Eric Eggert (Philosoph)
Mirjam Hildbrand (Dramaturgin)
Charlotte Ducousso  (Lichtgestalterin)
Anna Menzel (Juristin)

 

Die Arbeitssprache war Deutsch und Englisch.

 

 

 

FRAGEN 

 

Ausgangsfragen:

  • Wie gestaltet sich ein Zusammenhang zwischen politischer (Kommunikation-) Kultur und dem architektonischen Setting in der sie stattfindet?
  • Wie und wo werden räumliche Anordnungen politisch und welche Rolle spielen Architektur und räumliche Strukturierung im politischen Kontext?
  • Wie kann eine räumlich-architektonische Strukturierung dramaturgisch für den performativen Raum genutzt werden?
  • Wie positionieren wir uns zu dem Gedanken, dass aktuell im Westen der Welt ein verstärkter „Vormarsch der Mächtigen“ zu erkennen ist?
  • Wie wirken autoritäre und populistische Tendenzen auf die Körper?

 

Fragen im Prozess:

  • How do authoritarian and populist ways of communication, and hierarchical systems, influence the human (body)? What is maybe the „visible and the unvisible“ of these communication forms?
  • How do we make this frontal perspective visible / experiencable – How could be a spacial setting developed?
  • How to involve the public in a performance – somehow subtle, without that they realise. How to „force/invite“ the public, that the have to make decisions during a performance.
  • How do we relate to violence (of these „frontal“ ways of communication)  – in life, in art, in general, in a piece…
  • some keywords: the formatting of the gaze, governour of the absolute: central perspective, politics and image, „inconoclasm“ – destruction of images

 

 


BRAINSTORMING

 

 

 

 


 

 

„We, the masters, should seize in our subjects in their early youth. We shall change the tastes and habits of the whole people. We shall build up again from the very foundations and teach the people to live a frugal, innocent, busy life after the pattern of our law. […] To change the tastes and habits of an entire people, politics had to seize upon the individual, and by the new means of education make him or her into a modern political subject – frugal, innocent and, above all, busy.“

 

(in: Timothy Mitchell, Colonising Egypt, Berkeley: University of California Press, 1988, S. 75)

 

 

 


THE ART OF DISTRIBUTION AND THE QUALITIES OF FRONTALITY

 

„Die Erstellung von Tableaus gehörte zu den großen Problemen der wissenschaftlichen, politischen und ökonomischen Technologien des 18. Jahrhunderts: Anlegung der Pflanzen- und Tiergärten und gleichzeitig rationale Klassifizierung der Lebewesen; Beobachtung, Kontrolle und Regulierung des Kreislaufs der Waren und des Geldes und damit auch die Konstruktion eines ökonomischen Tableaus als Grundlage der Bereicherung; Inspektion der Menschen, Feststellung ihrer Anwesenheit und Abwesenheit […] Das Tableau ist im 18. Jahrhundert zugleich eine Machttechnik und ein Wissensverfahren. Es geht um die Organisation des Vielfältigen, das überschaut und gemeistert, dem eine »Ordnung« verliehen werden muss.“

 

(Michel Foucault, Überwachen und Strafen, Frankfurt a. M.: Suhrkamp, 1994, S. 190 f.)

 

 

Tischdraufsicht der Materialsammlung

 

 

 

Blickformatierung mit Raster

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Blicklenkung mit Sichtkisten

 

 

 

Kodifizierte Sitzanordnung

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kodifizierte Sitzanordnung II

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


RAUM-ANALYSEN

 

Die Idee hinter unseren Raum-Analysen bestand darin, die Qualitäten der Fontal-Anordnung herauszuarbeiten, um sie anschließend in andere Raumkonstellationen übersetzen zu können.

 

Wir haben uns dabei auf folgende Kategorien konzentriert:

 

  • Raum (Aufteilung, Geruch, räumlicher Kontext etc.)
  • Zeit (Einteilung der Zeit(en) innerhalb des Raumes, Choreographie der Zeit etc.)
  • Bewegung (feste Patterns, Informationen, Körper, Objekte)
  • In/Out (Schwellen, Übergänge, Rituale des Eintretens oder Verlassens)
  • Funktion (Gesellschaftlich, Individuell)
  • Macht (Hierarchie, Vertikalität)
  • Emotion (erwartete Emotion, wahrgenommene Emotion)

 


#1 CLASSROOM

 

 

 

Bildrecherche:

 


#2 COUNTER / AGENCY / WAITING ROOM

 

 

 

Bildrecherche:

 


#3 CHURCH

 

 

 


#4 PUBLIC SCREENS

 

 

 

Bildrecherche:

 


CHAOS IN THE HOUSE OF STUDY

 

„Disorder seems about to break out, or already to prevail, whenever the old uncoordinated, undistributed style of learning was now described, especially in descriptions of the famous teaching-mosque of al-Azhar. ‚What is astonishing at al-Azhar is the crowd that throngs in its halls‘, we are told by the Inspector-General. ‚A thousand students of every age, of every colour … scattered into groups, the diversity of costumes.‘[54] One writer complains of the ‚chaos‘ and the absence of nizam (order, discipline), noting that the teachers do nothing but sit at the pillars of the mosque giving lessons, without bothering to record the presence or absence of students or their progress through different lessons.[55] Another writer describes ‚the brouhaha‘ as ‚the students, lacking all direction, move haphazardly from professor to professor, passing from one text to another, understanding nothing of passages on which the masters comment in a language about which they have no clue, and ending with everything confounded and confused‘.[56] ‚What is lacking more than all is height, and space. One suffocates beneath the endless ceiling.‘ But worse than this is ‚the noise and the perpetual movement‘.[57] Some are sleeping on their mats, we are told, some eat, some study, some engage in argument, vendors move haphazardly among them selling water, bread, and fruit. Organisation is absent, and anarchy hovers at the gate. A bout of horseplay breaks suddenly into a fight, and a master must step in swiftly. He separates the combatants and administers two or three blows with the whip, ‚to reestablish order‘.[58]“ 

 

(Timothy Mitchell, Colonising Egypt, Berkeley: University of California Press, 1988, S. 80 f.)

 

 

 

 

Die ägyptischen „Study Houses“ sind ein gutes Beispiel einer »chaotischen« Ordnung, die dem Kolonialismus zum Opfer gefallen ist.

 

 

Fragestellung: How to adapt body and mind to a new space?

 

 

In der Kolonisierung Indiens gab es ein ähnliches Problem mit dem Kasten-Wesen, dass für die Briten zu komplex und unverständlich war – und im Zuge der kolonialen Ordnung vereinfacht und standardisiert wurde, um die Bevölkerung leichter »regierbar« zu machen. (vgl.: Waligora, Melita, What is your „Caste“? The Classification of Indian Society as Part of the British Civilizing Mission, in: Mann, Michael / Fischer-Tiné, Harald, Colonialism as Civilizing Mission. Cultural Ideology in Britisch India, London 2004, S. 141 – 164.)

 

 

 

Gegenbild:  Klasse in Jesuitenkollegs, 200 – 300 Schüler, in 10er-Gruppen eingeteilt. Zwei Lager: Römer und KArthager -> Lernen als Krieg, Armee-Metaphern in  der Ordnung der Schüler

(Michel Foucault, Überwachen und Strafen, Frankfurt a. M.: Suhrkamp, 1994, S. 187)

 

 

 

 

 

Page from a  Commentary on the hundred grammatical regents of al-Jurjani  by
Sa’d Allah, known as al-Saghir, copied in 1808 by Ahmad Abd-Rabbih, with
marginal and interlinear notes and glosses; Naskhi script.

 

in: Timothy Mitchell, Colonising Egypt, Berkeley: University of California Press, 1988, S. 147.

 

 

Was ist die Ordnung in diesem »Chaos«? Lässt sich damit  etwas über das frontale Setting erzählen, ohne frontal spielen zu müssen?

 

 

 

 

 

 

Kann die Chaos-Theorie etwas über das Problem von Ordnungen und Macht erzählen?

 

Frage:

Chaos <-> Ordnung, aber auch

Sichtbarkeit <-> Unsichtbarkeit (Wie werden Sichtbarkeiten und Verantwortung verteilt ? Was macht das Medium sichtbar, was wird im Sichtbar-Werden unsichtbar? -> Problem der Ideologie)

 

Wer macht das Chaos, wer organisiert? Wie viel der Performance kann im Zuschauer-Raum stattfinden?

 

Licht & Sound als Agenten des Ordnungs-Systems sichtbar machen?

 

 

 

(Dramaturgische) Elemente: Skalen, Partituren, Sound Mapping …. Räumliche/Akustische Ordnungssysteme … Unterbrechungen … Publikum in verschiedene Rollen unterteilen ….

-> Starke Kontraste: Sound – Stille; Licht – Dunkelheit … Zeit und Raum, die durch verschiedene Signale aktiviert sind.

 

Chaos / Ordnung -> GRID

 

LINKS UND QUELLEN

http://www.atlaz.space 

http://ark.cdlib.org/ark:/13030/ft587006k2/

 

360° Einsicht in den Arbeitsraum

 

 


FRONTALITY

 

Bildrecherche:

 

 

 


 

FRAGMENTE

 

Bildrecherche:

 

 

 

Offene Fragen:

 

  • Würde ein anderes wording die Qualität der Gewalt verändern?
  • Gibt es einen Überschuss auf der Bühne, der nicht ganz in der Inszenierung aufgehen kann?
  • Dort, wo die Ordnung erscheint, wird die Unordnung sichtbar.
  • power works from inside by shaping the individual mind
  • Die Essenz der Aufführung ist nicht sichtbar, weil sie aus Zeit besteht.
  • Was sind die Konventionen?
  • Wie stark ist die Wahrnehmung von Schmerz an das kulturelle Gedächtnis gekoppelt?
  • Whats left?

 

 

 

 


TEAM

 

Charlotte Ducousso
Licht- und Bühnengestaltung

1981 in Frankreich geboren, lebt Charlotte Ducousso heute in Brüssel. Sie kommt von den bildenden Künsten und kreiert Arbeiten für den öffentlichen Raum mit Fokus auf Lichtkreationen und szenographischen Installationen. Sie ist Teil des Kollektivs „La Grande Tombola“, dass sich als Kreationsplattform für pluridisziplinäre Arbeiten sieht, mit Kunstschaffenden aus den Bereichen Video, Bildende Kunst, Musik, Licht- und Soundtechnik, Webdesign, Theater, Performance. Charlotte Ducousso war beteiligt an der Installation „La rose des vents“, dem interaktiven Sport-Event „World fluorescent stone skimming championship“ und dem Explorationsmarsch „Space Camping“.

 

Simon Bauer
Soundkomposition

Lebt und arbeitet in Berlin. Er studiert Kontrabass in Berlin an der HfM Musik „Hanns Eisler“, Komposition im Selbststudium und nimmt mehrfach an Kursen der „School for Improvisational Music“ in New York und Oslo teil. Nach längerer Tätigkeit als Instrumentalmusiker beschäftigt er sich vorrangig mit inszenatorischen Konzepten, die mit Musik im unmittelbaren Austausch stehen. Mit der Choreographin Reut Shemesh, dem Choreographen Vincent Bozek und Overhead Project entwickelt er Musik für deren Stücke. Mit Hans Unstern zusammen baut er Instrumente für dessen Konzerte und entwickelt Inszenierungskonzepte die musikalisch-künstlerische Prozesse sichtbar machen sollen. Mit dem Label SCHUBERTY KRAHL BAUER arbeitet er an Formensprachen, die ihren Schwerpunkt bewusst nicht bei einem einzelnen Bühnengenre finden lassen.

 

Tim Behren
Choreograf, Künstlerische Leiter Overhead Project

Tim Behren (*1985 in Tübingen) wird als Akrobat an der Zeitgenössischen Circus Hochschule Ecole Superieure des Arts du Cirque in Brüssel ausgebildet und begibt sich als Spartenquereinsteiger in die Tanzszene. Später folgt er der Studienerweiterung „Dramaturgie Circassiene“ am Centre National des Arts du Cirque (CNAC) in Chalons en Champagne. 2008 gründet er zusammen mit seinem Kollegen Florian Patschovsky das Label Overhead Project und ist heute sein Künstlerischer Leiter. Seitdem sind neun Produktionen in der freien Szene sowie vier Gastchoreographien am Stadttheater entstanden. Seit 2019 leitet er künstlerisch das Cologne Circus-Dance Festival im Rahmen der TANZPAKT Stadt-Land-Bund Förderung.

 

Eric Eggert
Philosoph

Eric Eggert, geboren 1987 in Görlitz, ist Philosoph und Musiker. Sein Interesse gilt der Schnittstelle von ethischen und ästhetischen Diskursen. Er arbeitete in verschiedenen Projekten als Komponist, Dramaturg und/oder philosophische Begleitung, u. a. mit Josefine Patzelt („Umwegkarten“), flies&tales („One must still know how to disappear“, „none of us“, „expecting light“), Overhead Project („Surround, My body is your body“), Michael Baumann und Josefine Patzelt („Wicked Watches“), Sergiu Zorger („Into the night“) und premierte 2017 mit seiner Produktion „Das Wesen der Ferne“.

 

Mirjam Hildbrand
Dramaturgische Begleitung

Geboren 1987 in Basel, studiert sie Dramaturgie in Leipzig und ab- solviert dann an der Universität Hildesheim den Masterstudiengang „Inszenierung der Künste und der Medien“. Seit 2016 lebt sie wieder in Basel und ist dort u.a. im Projekt Station Circus tätig. Gemeinsam mit vier Teammitgliedern kuratiert sie zeitgenössische Zirkus Gastspiele, Residenzen für Zirkusschaffende sowie ein seit 2015 bestehendes Nachwuchsformat. Sie ist seit 2018 Jury-Mitglied bei der SSA und Pro Cirque (Schweiz) zur Vergabe von Stipendien für Recherche- und Entwicklungsarbeiten im Bereich der innovativen Zirkuskunst. Außerdem forscht sie im Rahmen eines Stipendiums des Schweizerischen Nationalfonds an der Universität Bern zum Verhältnis von Zirkus und Theater um 1900.

 

Anna Menzel
Juristin

Arbeitet momentan an ihrer PhD (working title: „listening to the other (with)in the law“ in the field of law and philosophy) an der Goethe Universität Frankfurt.
Nebenher tanzt sie leidenschaftlich und organisiert Laborformate im Bereich Contact Improvisation und zeitgenössischer Tanz.


DER ORT

 

Der Halfmannshof ist ein Künstlersiedlung im Herzen der Metropole Ruhr. Ein Freiraum für die Künste mit Wohnraum, Proberaum und Arbeitsraum.

 

 

Einblicke in den Arbeitsraum:

 


OUTRO

 

Den Ausgangspunkt unserer Recherche bildete die Frage nach dem Zusammenhang von Gewalt, Körper und Architektur. Im Laufe unseres Forschungs-Prozesses am Halfmannshof kristallisierten sich zwei Schwerpunkte heraus, die wir besonders inspirierend fanden.

 

(1) Qualitäten des frontal space. Hier war es besonders interessant, die Aufteilung von Körpern, Kräften, Geschwindigkeiten etc. in verschiedenen Settings zu untersuchen.

 

(2) Koloniale Ordnungssysteme, die zur Erzeugung von Subjekten dienen, die als Adressaten von Macht angesprochen werden können. Gerade hier wird die Gewalt transparenter, die sich bereits in unscheinbaren Strukturen versteckt. Wesentliche Qualitäten der Architektur – Einrichtung von Orten des Erscheinens, Strukturierung von Raum etc. – werden hier ebenfalls deutlich.

 

Die gemeinsame Konsistenzebene von Gewalt, Körper und Architektur, die im Research erzeugt wurde, ist stark geprägt von Mechanismen des Ordnens, Verteilens, Aufteilens, Benennens oder Kodifizierens. Gewalt in diesem Sinn ist vor allem die Intensität einer Struktur, die sich nicht aus einer gemeinsamen Lebenswelt entwickelt, sondern als Technik der Macht eingesetzt wird, um die Lebenswelt zu fragmentieren. Wir haben versucht unseren Blick dafür zu schärfen, wie wir Strukturen, die täglich unsere Bewegung lenken (oder die wir einfach nur durchqueren), in ihrem Effekt lesbar machen können.

 

Damit bieten sich für uns interessante Möglichkeiten, die Qualitäten des frontal space mit anderen Aspekten des Theater-(Raums) in Verbindung zu bringen. Es ist geplant, diese Ideen als Inspiration für eine kommende Produktion zu nutzen.

 

 

 


 

gefördert durch



Recherche #Körper #Gewalt #Architektur

INTRO 

Dies ist die Dokumentation einer interdiszplinären Recherche im Rahmen der Initialvorhaben des Fonds Darstellende Künste. Bei den Initialvorhaben steht die künstlerische Idee sowie Beschäftigung mit einem thematisch / inhaltlichen Zugang ergebnisoffen und produktionsunabhängig im Mittelpunkt. Gefördert werden inhaltlich-explorative Vorhaben, wie Recherchen, Laboratorien, Erkundungen oder andere Versuchsanordnungen zur Generierung von künstlerischen Inhalten.
Die Dokumentation dieser Recherche ist nicht chronologisch und bewusst fragmentarisch verfasst. Sie soll in Auszügen einen Einblick in die Arbeits- und Rechercheprozesse der Compagnie Overhead Project geben.

 

AUSGANGSPUNKT
Im Fokus steht für uns die Beschäftigung mit der Frage, wie wir eine künstlerische Position zum Thema #Gewalt zeitgemäß konzipieren und uns speziell dem Themen-Komplex #Körper #Gewalt #Architektur im Kontext u.a. der aktuellen soziopolitischen Entwicklungen anzunähern

Das Team der Berliner Festspiele, welches die diesjährige Stückemarkt-Ausschreibung „Was kommt nach dem Protest“ formuliert hat, wies zutreffend nochmal auf eine gängige Theaterpraxis der Romantisierung eines Status Quo bzw. – übertragen auf den Tanz – die ästhetische Veranschaulichung der bestehenden Verhältnisse hin. Uns interessiert in unserer Arbeit zum Einen die Weiterentwicklung einer künstlerisch „aktivistischen“ Einmischung im Sinne einer klaren künstlerischen Positionierung. Zum anderen arbeiten wir an der Transformation von konsumierbaren Theaterbesuchen in ein immer immersiver werdendes Eintauchen in Theaterperformances, die im räumlich-architektonischen sowie physischen Sinne erlebbare Erfahrungsräume schafft und dennoch in Theaterräumen stattfinden können.

Einer unserer Ausgangspunkte bildet dabei die Architektur von Orten, in denen sich politische Prozesse vollziehen. Die architektonischen Grundrisse und Sitzanordnungen der Parlamentsgebäude in den UN-Ländern beispielsweise blieben überwiegend über die Jahrhunderte gleich, obwohl sich die Gesellschaften grundlegend veränderten. Welche Verbindungen gibt es zwischen Architektur und politischer Gewalt?

 

TEAM
Interdisciplinary Research
Tim Behren (Choreograph, Künstlerische Leitung)
Simon Bauer (Komponist)
Eric Eggert (Philosoph)
Mirjam Hildbrand (Dramaturgin)
Charlotte Ducousso  (Lichtgestalterin)
Anna Menzel (Juristin)

 

Die Arbeitssprache war Deutsch und Englisch.

 

 

 

FRAGEN 

 

Ausgangsfragen:

  • Wie gestaltet sich ein Zusammenhang zwischen politischer (Kommunikation-) Kultur und dem architektonischen Setting in der sie stattfindet?
  • Wie und wo werden räumliche Anordnungen politisch und welche Rolle spielen Architektur und räumliche Strukturierung im politischen Kontext?
  • Wie kann eine räumlich-architektonische Strukturierung dramaturgisch für den performativen Raum genutzt werden?
  • Wie positionieren wir uns zu dem Gedanken, dass aktuell im Westen der Welt ein verstärkter „Vormarsch der Mächtigen“ zu erkennen ist?
  • Wie wirken autoritäre und populistische Tendenzen auf die Körper?

 

Fragen im Prozess:

  • How do authoritarian and populist ways of communication, and hierarchical systems, influence the human (body)? What is maybe the „visible and the unvisible“ of these communication forms?
  • How do we make this frontal perspective visible / experiencable – How could be a spacial setting developed?
  • How to involve the public in a performance – somehow subtle, without that they realise. How to „force/invite“ the public, that the have to make decisions during a performance.
  • How do we relate to violence (of these „frontal“ ways of communication)  – in life, in art, in general, in a piece…
  • some keywords: the formatting of the gaze, governour of the absolute: central perspective, politics and image, „inconoclasm“ – destruction of images

 

 


BRAINSTORMING

 

 

 

 


 

 

„We, the masters, should seize in our subjects in their early youth. We shall change the tastes and habits of the whole people. We shall build up again from the very foundations and teach the people to live a frugal, innocent, busy life after the pattern of our law. […] To change the tastes and habits of an entire people, politics had to seize upon the individual, and by the new means of education make him or her into a modern political subject – frugal, innocent and, above all, busy.“

 

(in: Timothy Mitchell, Colonising Egypt, Berkeley: University of California Press, 1988, S. 75)

 

 

 


THE ART OF DISTRIBUTION AND THE QUALITIES OF FRONTALITY

 

„Die Erstellung von Tableaus gehörte zu den großen Problemen der wissenschaftlichen, politischen und ökonomischen Technologien des 18. Jahrhunderts: Anlegung der Pflanzen- und Tiergärten und gleichzeitig rationale Klassifizierung der Lebewesen; Beobachtung, Kontrolle und Regulierung des Kreislaufs der Waren und des Geldes und damit auch die Konstruktion eines ökonomischen Tableaus als Grundlage der Bereicherung; Inspektion der Menschen, Feststellung ihrer Anwesenheit und Abwesenheit […] Das Tableau ist im 18. Jahrhundert zugleich eine Machttechnik und ein Wissensverfahren. Es geht um die Organisation des Vielfältigen, das überschaut und gemeistert, dem eine »Ordnung« verliehen werden muss.“

 

(Michel Foucault, Überwachen und Strafen, Frankfurt a. M.: Suhrkamp, 1994, S. 190 f.)

 

 

Tischdraufsicht der Materialsammlung

 

 

 

Blickformatierung mit Raster

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Blicklenkung mit Sichtkisten

 

 

 

Kodifizierte Sitzanordnung

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kodifizierte Sitzanordnung II

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


RAUM-ANALYSEN

 

Die Idee hinter unseren Raum-Analysen bestand darin, die Qualitäten der Fontal-Anordnung herauszuarbeiten, um sie anschließend in andere Raumkonstellationen übersetzen zu können.

 

Wir haben uns dabei auf folgende Kategorien konzentriert:

 

  • Raum (Aufteilung, Geruch, räumlicher Kontext etc.)
  • Zeit (Einteilung der Zeit(en) innerhalb des Raumes, Choreographie der Zeit etc.)
  • Bewegung (feste Patterns, Informationen, Körper, Objekte)
  • In/Out (Schwellen, Übergänge, Rituale des Eintretens oder Verlassens)
  • Funktion (Gesellschaftlich, Individuell)
  • Macht (Hierarchie, Vertikalität)
  • Emotion (erwartete Emotion, wahrgenommene Emotion)

 


#1 CLASSROOM

 

 

 

Bildrecherche:

 


#2 COUNTER / AGENCY / WAITING ROOM

 

 

 

Bildrecherche:

 


#3 CHURCH

 

 

 


#4 PUBLIC SCREENS

 

 

 

Bildrecherche:

 


CHAOS IN THE HOUSE OF STUDY

 

„Disorder seems about to break out, or already to prevail, whenever the old uncoordinated, undistributed style of learning was now described, especially in descriptions of the famous teaching-mosque of al-Azhar. ‚What is astonishing at al-Azhar is the crowd that throngs in its halls‘, we are told by the Inspector-General. ‚A thousand students of every age, of every colour … scattered into groups, the diversity of costumes.‘[54] One writer complains of the ‚chaos‘ and the absence of nizam (order, discipline), noting that the teachers do nothing but sit at the pillars of the mosque giving lessons, without bothering to record the presence or absence of students or their progress through different lessons.[55] Another writer describes ‚the brouhaha‘ as ‚the students, lacking all direction, move haphazardly from professor to professor, passing from one text to another, understanding nothing of passages on which the masters comment in a language about which they have no clue, and ending with everything confounded and confused‘.[56] ‚What is lacking more than all is height, and space. One suffocates beneath the endless ceiling.‘ But worse than this is ‚the noise and the perpetual movement‘.[57] Some are sleeping on their mats, we are told, some eat, some study, some engage in argument, vendors move haphazardly among them selling water, bread, and fruit. Organisation is absent, and anarchy hovers at the gate. A bout of horseplay breaks suddenly into a fight, and a master must step in swiftly. He separates the combatants and administers two or three blows with the whip, ‚to reestablish order‘.[58]“ 

 

(Timothy Mitchell, Colonising Egypt, Berkeley: University of California Press, 1988, S. 80 f.)

 

 

 

 

Die ägyptischen „Study Houses“ sind ein gutes Beispiel einer »chaotischen« Ordnung, die dem Kolonialismus zum Opfer gefallen ist.

 

 

Fragestellung: How to adapt body and mind to a new space?

 

 

In der Kolonisierung Indiens gab es ein ähnliches Problem mit dem Kasten-Wesen, dass für die Briten zu komplex und unverständlich war – und im Zuge der kolonialen Ordnung vereinfacht und standardisiert wurde, um die Bevölkerung leichter »regierbar« zu machen. (vgl.: Waligora, Melita, What is your „Caste“? The Classification of Indian Society as Part of the British Civilizing Mission, in: Mann, Michael / Fischer-Tiné, Harald, Colonialism as Civilizing Mission. Cultural Ideology in Britisch India, London 2004, S. 141 – 164.)

 

 

 

Gegenbild:  Klasse in Jesuitenkollegs, 200 – 300 Schüler, in 10er-Gruppen eingeteilt. Zwei Lager: Römer und KArthager -> Lernen als Krieg, Armee-Metaphern in  der Ordnung der Schüler

(Michel Foucault, Überwachen und Strafen, Frankfurt a. M.: Suhrkamp, 1994, S. 187)

 

 

 

 

 

Page from a  Commentary on the hundred grammatical regents of al-Jurjani  by
Sa’d Allah, known as al-Saghir, copied in 1808 by Ahmad Abd-Rabbih, with
marginal and interlinear notes and glosses; Naskhi script.

 

in: Timothy Mitchell, Colonising Egypt, Berkeley: University of California Press, 1988, S. 147.

 

 

Was ist die Ordnung in diesem »Chaos«? Lässt sich damit  etwas über das frontale Setting erzählen, ohne frontal spielen zu müssen?

 

 

 

 

 

 

Kann die Chaos-Theorie etwas über das Problem von Ordnungen und Macht erzählen?

 

Frage:

Chaos <-> Ordnung, aber auch

Sichtbarkeit <-> Unsichtbarkeit (Wie werden Sichtbarkeiten und Verantwortung verteilt ? Was macht das Medium sichtbar, was wird im Sichtbar-Werden unsichtbar? -> Problem der Ideologie)

 

Wer macht das Chaos, wer organisiert? Wie viel der Performance kann im Zuschauer-Raum stattfinden?

 

Licht & Sound als Agenten des Ordnungs-Systems sichtbar machen?

 

 

 

(Dramaturgische) Elemente: Skalen, Partituren, Sound Mapping …. Räumliche/Akustische Ordnungssysteme … Unterbrechungen … Publikum in verschiedene Rollen unterteilen ….

-> Starke Kontraste: Sound – Stille; Licht – Dunkelheit … Zeit und Raum, die durch verschiedene Signale aktiviert sind.

 

Chaos / Ordnung -> GRID

 

LINKS UND QUELLEN

http://www.atlaz.space 

http://ark.cdlib.org/ark:/13030/ft587006k2/

 

360° Einsicht in den Arbeitsraum

 

 


FRONTALITY

 

Bildrecherche:

 

 

 


 

FRAGMENTE

 

Bildrecherche:

 

 

 

Offene Fragen:

 

  • Würde ein anderes wording die Qualität der Gewalt verändern?
  • Gibt es einen Überschuss auf der Bühne, der nicht ganz in der Inszenierung aufgehen kann?
  • Dort, wo die Ordnung erscheint, wird die Unordnung sichtbar.
  • power works from inside by shaping the individual mind
  • Die Essenz der Aufführung ist nicht sichtbar, weil sie aus Zeit besteht.
  • Was sind die Konventionen?
  • Wie stark ist die Wahrnehmung von Schmerz an das kulturelle Gedächtnis gekoppelt?
  • Whats left?

 

 

 

 


TEAM

 

Charlotte Ducousso
Licht- und Bühnengestaltung

1981 in Frankreich geboren, lebt Charlotte Ducousso heute in Brüssel. Sie kommt von den bildenden Künsten und kreiert Arbeiten für den öffentlichen Raum mit Fokus auf Lichtkreationen und szenographischen Installationen. Sie ist Teil des Kollektivs „La Grande Tombola“, dass sich als Kreationsplattform für pluridisziplinäre Arbeiten sieht, mit Kunstschaffenden aus den Bereichen Video, Bildende Kunst, Musik, Licht- und Soundtechnik, Webdesign, Theater, Performance. Charlotte Ducousso war beteiligt an der Installation „La rose des vents“, dem interaktiven Sport-Event „World fluorescent stone skimming championship“ und dem Explorationsmarsch „Space Camping“.

 

Simon Bauer
Soundkomposition

Lebt und arbeitet in Berlin. Er studiert Kontrabass in Berlin an der HfM Musik „Hanns Eisler“, Komposition im Selbststudium und nimmt mehrfach an Kursen der „School for Improvisational Music“ in New York und Oslo teil. Nach längerer Tätigkeit als Instrumentalmusiker beschäftigt er sich vorrangig mit inszenatorischen Konzepten, die mit Musik im unmittelbaren Austausch stehen. Mit der Choreographin Reut Shemesh, dem Choreographen Vincent Bozek und Overhead Project entwickelt er Musik für deren Stücke. Mit Hans Unstern zusammen baut er Instrumente für dessen Konzerte und entwickelt Inszenierungskonzepte die musikalisch-künstlerische Prozesse sichtbar machen sollen. Mit dem Label SCHUBERTY KRAHL BAUER arbeitet er an Formensprachen, die ihren Schwerpunkt bewusst nicht bei einem einzelnen Bühnengenre finden lassen.

 

Tim Behren
Choreograf, Künstlerische Leiter Overhead Project

Tim Behren (*1985 in Tübingen) wird als Akrobat an der Zeitgenössischen Circus Hochschule Ecole Superieure des Arts du Cirque in Brüssel ausgebildet und begibt sich als Spartenquereinsteiger in die Tanzszene. Später folgt er der Studienerweiterung „Dramaturgie Circassiene“ am Centre National des Arts du Cirque (CNAC) in Chalons en Champagne. 2008 gründet er zusammen mit seinem Kollegen Florian Patschovsky das Label Overhead Project und ist heute sein Künstlerischer Leiter. Seitdem sind neun Produktionen in der freien Szene sowie vier Gastchoreographien am Stadttheater entstanden. Seit 2019 leitet er künstlerisch das Cologne Circus-Dance Festival im Rahmen der TANZPAKT Stadt-Land-Bund Förderung.

 

Eric Eggert
Philosoph

Eric Eggert, geboren 1987 in Görlitz, ist Philosoph und Musiker. Sein Interesse gilt der Schnittstelle von ethischen und ästhetischen Diskursen. Er arbeitete in verschiedenen Projekten als Komponist, Dramaturg und/oder philosophische Begleitung, u. a. mit Josefine Patzelt („Umwegkarten“), flies&tales („One must still know how to disappear“, „none of us“, „expecting light“), Overhead Project („Surround, My body is your body“), Michael Baumann und Josefine Patzelt („Wicked Watches“), Sergiu Zorger („Into the night“) und premierte 2017 mit seiner Produktion „Das Wesen der Ferne“.

 

Mirjam Hildbrand
Dramaturgische Begleitung

Geboren 1987 in Basel, studiert sie Dramaturgie in Leipzig und ab- solviert dann an der Universität Hildesheim den Masterstudiengang „Inszenierung der Künste und der Medien“. Seit 2016 lebt sie wieder in Basel und ist dort u.a. im Projekt Station Circus tätig. Gemeinsam mit vier Teammitgliedern kuratiert sie zeitgenössische Zirkus Gastspiele, Residenzen für Zirkusschaffende sowie ein seit 2015 bestehendes Nachwuchsformat. Sie ist seit 2018 Jury-Mitglied bei der SSA und Pro Cirque (Schweiz) zur Vergabe von Stipendien für Recherche- und Entwicklungsarbeiten im Bereich der innovativen Zirkuskunst. Außerdem forscht sie im Rahmen eines Stipendiums des Schweizerischen Nationalfonds an der Universität Bern zum Verhältnis von Zirkus und Theater um 1900.

 

Anna Menzel
Juristin

Arbeitet momentan an ihrer PhD (working title: „listening to the other (with)in the law“ in the field of law and philosophy) an der Goethe Universität Frankfurt.
Nebenher tanzt sie leidenschaftlich und organisiert Laborformate im Bereich Contact Improvisation und zeitgenössischer Tanz.


DER ORT

 

Der Halfmannshof ist ein Künstlersiedlung im Herzen der Metropole Ruhr. Ein Freiraum für die Künste mit Wohnraum, Proberaum und Arbeitsraum.

 

 

Einblicke in den Arbeitsraum:

 


OUTRO

 

Den Ausgangspunkt unserer Recherche bildete die Frage nach dem Zusammenhang von Gewalt, Körper und Architektur. Im Laufe unseres Forschungs-Prozesses am Halfmannshof kristallisierten sich zwei Schwerpunkte heraus, die wir besonders inspirierend fanden.

 

(1) Qualitäten des frontal space. Hier war es besonders interessant, die Aufteilung von Körpern, Kräften, Geschwindigkeiten etc. in verschiedenen Settings zu untersuchen.

 

(2) Koloniale Ordnungssysteme, die zur Erzeugung von Subjekten dienen, die als Adressaten von Macht angesprochen werden können. Gerade hier wird die Gewalt transparenter, die sich bereits in unscheinbaren Strukturen versteckt. Wesentliche Qualitäten der Architektur – Einrichtung von Orten des Erscheinens, Strukturierung von Raum etc. – werden hier ebenfalls deutlich.

 

Die gemeinsame Konsistenzebene von Gewalt, Körper und Architektur, die im Research erzeugt wurde, ist stark geprägt von Mechanismen des Ordnens, Verteilens, Aufteilens, Benennens oder Kodifizierens. Gewalt in diesem Sinn ist vor allem die Intensität einer Struktur, die sich nicht aus einer gemeinsamen Lebenswelt entwickelt, sondern als Technik der Macht eingesetzt wird, um die Lebenswelt zu fragmentieren. Wir haben versucht unseren Blick dafür zu schärfen, wie wir Strukturen, die täglich unsere Bewegung lenken (oder die wir einfach nur durchqueren), in ihrem Effekt lesbar machen können.

 

Damit bieten sich für uns interessante Möglichkeiten, die Qualitäten des frontal space mit anderen Aspekten des Theater-(Raums) in Verbindung zu bringen. Es ist geplant, diese Ideen als Inspiration für eine kommende Produktion zu nutzen.

 

 

 


 

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